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Eingliederungsbulletin 2016


Die IV-Stellen unterstützen Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen bei der beruflichen Integration. Mit der 4., 5. und 6. IVG-Revision wurden der IV die Instrumente gegeben, welche bis heute in hohem Masse dazu dienen, dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" besser Rechnung zu tragen bzw. die Eingliederung aus der Rente zu fördern. Wichtig ist, dass Menschen, welche aus dem Arbeitsprozess gedrängt werden, möglichst schnell, effizient und nachhaltig wieder in den Arbeitsprozess zurückfinden. Dies ist volkswirtschaftlich sinnvoll und gleichzeitig auch für die betroffenen Menschen die beste Lösung, denn Arbeit ist in der Regel sinnstiftend und deshalb für Gesundheit und Wohlergehen wichtig. Wir arbeiten heute nach dem Grundsatz, dass der Anspruch auf eine IV-Rente erst geprüft wird, wenn keine Aussicht auf eine Eingliederung mehr besteht. Es gibt aber auch Fälle, wo eine Rente als Zwischenlösung dient, damit die versicherte Person mehr Ruhe bekommen und über eine gewisse Zeit eine finanzielle Stabilität erzielen kann. Diese Zeit sollte dann auch für therapeutische Massnahmen genutzt werden. Wenn die nötige gesundheitliche Stabilität erreicht ist, kann die berufliche Eingliederung wieder in Betracht gezogen werden.

Das Eingliederungsbulletin gibt Auskunft über den Umfang der Eingliederungsleistungen an versicherte Personen im Jahr 2016.

Erhalt von Arbeitsplätzen und Platzierung an neuen Arbeitsplätzen

Im Jahr 2016 konnten durch berufliche Eingliederungsmassnahmen 1111 Personen (2015: 1098) vermittelt oder eingegliedert werden. Dies entspricht einer Steigerung von 1.2% gegenüber dem Vorjahr. Diese gute Erfolgsquote konnte nur dank einem gesunden Arbeitsmarkt erzielt werden. In den Medien wird immer wieder der Anspruch an die Arbeitgeber herangetragen, mehr für Menschen mit gesundheitlichen Problemen zu tun. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Arbeitgeber der Region in dieser Hinsicht viel tun und immer wieder für gute Lösungen Hand bieten. Es wäre falsch, einen systematischen Anspruch zu erheben. Sobald im Zusammenhang mit Menschen mit gesundheitlichen Problemen Ausdrücke wie "Systematik" oder "Zwang" auftauchen, wird es schwierig Eingliederungen zu erzielen. Eingliederungen setzen Verständnis, Bereitschaft und Nutzen voraus. Sind diese drei Voraussetzungen vorhanden, bestehen reelle Chancen für eine gelungene Eingliederung.

Meldungen und Anmeldungen

Seit dem 1. Januar 2008 existiert neben der klassischen IV-Anmeldung zusätzlich ein Meldeverfahren. Versicherte Personen können sich bei der IV-Stelle für ein persönliches Beratungsgespräch im Rahmen der "Früherfassung" melden (Meldeformular). Es wird abgeklärt, ob und in welchem Rahmen die IV-Stelle Baselland Unterstützung bieten kann und ob eine IV-Anmeldung (Formular: "Anmeldung für Erwachsene") sinnvoll ist. Zu einer Meldung sind neben der versicherten Person noch weitere Beteiligte berechtigt, zum Beispiel Angehörige, behandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie Arbeitgebende. Heute wird der überwiegende Teil der Meldungen durch die Arbeitgebenden ausgelöst, ein kleiner Teil durch die Ärzteschaft oder die Versicherer und ein geringfügiger Rest durch die versicherten Personen selbst. Die Anzahl der Meldungen ging am Anfang konstant zurück und hat sich in den letzten Jahren zwischen 300 – 400 Fällen/Jahr stabilisiert.

 

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

+/- %

Meldungen (Art. 3b IVG)

390

421

427

353

313

277

353

357

+1.1

Anmeldungen
(Art. 29 ATSG)

2484

2499

2544

2494

2571

2660

2698

2858

+5.9

Grundsätzlich werden bei der IV-Stelle Baselland die Früherfassungsmeldungen im Durchschnitt innerhalb von 15 Tagen erledigt.

Die Zunahme der Anmeldungen (+ 5.9%) hängt in erster Linie damit zusammen, dass mit der Überarbeitung des Leistungskatalogs der IV neue Geburtsgebrechen aufgenommen wurden (Bsp. Trisomie 21). Die Integration ist hiervon jedoch kaum betroffen.

Massnahmen der Frühintervention

Falls angezeigt, kann die IV-Stelle im Rahmen der Frühintervention unmittelbar nach der Anmeldung aktiv werden. In dieser Phase ist die Koordination und Kommunikation unter den verschiedenen Beteiligten (Arbeitgebende / Kranken- und Unfallversicherer / Ärzte und IV) von grösster Bedeutung. Die IV-Stelle unterstützt versicherte Personen in dieser Phase intensiv, damit diese möglichst schnell wieder im Arbeits­prozess Fuss fassen können. So lässt sich in vielen Fällen vermeiden, dass sich gesundheit­liche Probleme chronifizieren. Während der Frühintervention steht in der Regel der Erhalt des Arbeitsplatzes im Vordergrund. Zum Beispiel, indem dieser der gesundheitlichen Einschränkung der betroffenen Person angepasst (Sitz-Stehpult) oder durch Ausbildungskurse eine Umplatzierung innerhalb des Betriebes ermöglicht wird.

Die Frühinterventionsmassnahmen beinhalten:

  • Ausbildungskurse
  • Anpassungen am Arbeitsplatz
  • Arbeitsvermittlung
  • Berufsberatung
  • sozialberufliche Rehabilitation
  • Beschäftigungsmassnahmen

 

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

+/- %

Frühinterventionsmassnahmen

zugesprochen (Art. 7d IVG)

210

249

445

564

560

542

491

448

-8.8

Assessmentgespräch FI

511

667

978

1230

987

1206

1270

1015

-20.0

 

Bei der Entwicklung der Frühinterventionsmassnahmen stellen wir über die Jahre eine Stabilisierung zwischen 450 - 550 zugesprochenen Massnahmen/Jahr fest. Die diesjährige Abnahme liegt im normalen Schwankungsbereich. Bei den Assessmentgesprächen pendeln wir uns offenbar bei rund 1100 Gesprächen / Jahr ein. Der Rückgang der Assessmentgespräche um 20% ist auf einen Personalengpass gegen Ende Jahr zurückzuführen, welcher die Abwicklung einiger Abläufe gegenüber dem Vorjahr etwas verzögert hat. Das Assessmentgespräch in der Phase der Frühintervention ermöglicht eine globale Aufnahme der Gesundheitsproblematik aus der Sicht der versicherten Person und dient der Beurteilung des Eingliederungspotentials. Aufgrund dieses Gesprächs werden die weiteren Massnahmen festgelegt (Eingliederungsplan). Grundsätzlich ist die Auftragslage stabil (2016: 1295 neue Eingliederungsaufträge gegenüber 1297 im 2015).

Massnahmen für psychisch kranke Personen

Viele Personen, die sich bei der IV-Stelle anmelden, leiden an psychischen Beeinträchtigungen. Die Integrationsmassnahmen der IV (IM) sind ursprünglich auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Durch Aufbau- und Motivationstraining können sich psychisch kranke Personen langsam wieder an den Arbeitsprozess gewöhnen und ihre restliche Arbeitsfähigkeit erhalten oder ausbauen. Heute werden Integrationsmassnahmen auch bei Personen ohne psychische Problematik, welche schon längere Zeit aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden sind, eingesetzt. Sie dienen der schrittweisen Angewöhnung an die Anforderungen des Arbeitsmarktes. Integrationsmassnahmen werden meistens im geschützten Rahmen und ausnahmsweise auch im ersten Arbeitsmarkt durchgeführt. Bis zum letzten Jahr waren wir mit einer konstanten Zunahme dieser Massnahmen konfrontiert. Dieses Jahr stellen wir zum ersten Mal einen starken Rückgang fest (- 20%). Wir gehen nicht davon aus, dass dies mit einer Abnahme der gestellten psychischen Diagnosen zusammenhängt. In den letzten 3 Jahren stellten wir eine zunehmende Entwicklung bis über 230 Fälle im Jahr 2015 fest. Der Rückgang (+/-) auf den Stand von 2012 lässt sich zur Zeit nicht konkret begründen, zumal es von Seiten der IV keine Praxisänderung gegeben hat.

 

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

+/- %

Integrationsmassnahmen

abgeschlossen (Art. 14a IVG)

87

111

116

145

199

219

232

184

-20.7

Berufliche Eingliederung

Die IV-Stelle unterstützt Menschen, welche zeitweise oder bleibend gesundheitlich eingeschränkt sind, durch Arbeitsvermittlung beim Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess. Kann eine versicherte Person ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben, wird sie bei einer neuen Berufswahl beraten, sofern sie dazu die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt. Bei Bedarf finanziert die IV-Stelle eine Umschulung, damit die betroffene Person in einem neuen Tätigkeitsbereich Fuss fassen kann. Bei Erstausbildungen übernimmt die IV-Stelle die invaliditätsbedingten Mehrkosten.

 

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

+/- %

Berufsberatung(erledigte Entscheide)

Abklärungen nach Art. 15 IVG

1470

1443

1066

1237

1145

1512

1694

1707

+0.8

Erstmalige berufliche Ausbildung (Art. 16 IVG)

666

666

738

789

861

997

1021

977

-4.3

Umschulung (Art. 17 IVG)

1851

2035

1964

2120

2206

2408

2153

2217

+3.0

Arbeitsvermittlung (Art. 18 IVG)

854

863

846

871

800

923

1022

1071

+4.8

 

Nach einem Rückgang der Umschulungen im 2015 (rund 10%) stellen wir 2016 wieder eine Zunahme der Massnahmen fest (+ 3%). Dies hängt mit dem Rückgang der Ablehnungen im 2016 zusammen. Was hingegen auffällt, ist die Zunahme der Verfügungen im Bereich der Arbeitsvermittlung. Wir beobachten die Entwicklung mit Spannung, denn zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich nicht abschätzen, ob es sich um einen einmaligen Effekt handelt.

Anreize für Arbeitgebende

Eingliederung ist nur durch eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitgebenden möglich. Die IV-Stelle unterstützt Arbeitgebende, die eine gesundheitlich eingeschränkte Person anstellen, während deren Einarbeitung durch Beratung und finanziell. Bei besonders aufwendigen Eingliederungen kann die IV-Stelle dem Arbeitgeber eine Entschädigung für den Mehraufwand anbieten. Diese wird in der Regel im Einzelfall bestimmt und richtet sich nach dem "Mehraufwand" bei der Einführung am Arbeitsplatz gegenüber einer Person ohne gesundheitliche Einschränkung. Arbeitgebende können zudem einen Beitrag an allfällige Prämienerhöhungen der Krankentaggeldversicherung und der beruflichen Vorsorge erhalten, wenn eine vermittelte Person innerhalb von zwei Jahren erneut arbeitsunfähig wird.

Im Übrigen finden Arbeitgebende auf unserer Website (www.sva-bl.ch) einen "Link" zum aktuellen "Leitfaden für die berufliche Eingliederung". Dort finden sie möglichst "kurz und bündig" zusammengestellt, wie und wo Arbeitgebende mit der IV eingliederungsorientiert zusammenarbeiten können.

Schlussbemerkung

Die Integrationsziele der IV im Sinne der 5. und 6. IVG-Revision sind nur über einen offenen und integrationsbereiten Arbeitsmarkt zu erreichen. Auch im Jahr 2016 haben wir nur Dank verständnisvollen Arbeitgebenden mehr als 1'000 Personen in den ersten Arbeitsmarkt integrieren und noch viel mehr Personen vor der Ausgliederung bewahren können. Für diese konstruktive Zusammenarbeit möchten wir uns bei den Arbeitgebenden bedanken. Wir bedanken uns aber auch bei den vielen Ärzten und Ärztinnen, welche dazu beigetragen haben, ihre Patienten für Arbeitsversuche in einem frühen Genesungsstadium zu motivieren sowie auch bei den Kranken- und Unfalltaggeldversicherern, welche in der Frühinterventionsphase mit uns den Dialog gesucht und mit uns die Interventionskosten geteilt haben. Auch RAV und Sozialdienste tragen im Rahmen der IIZ massgeblich dazu bei, dass zwischen der IV und den anderen Sozialpartnern nicht einfach Fälle "herumgeschoben" werden. Unser Dank geht ebenso an die Institutionen, die mit viel "Herzblut" unsere Klienten während der Aufbauphase betreut haben sowie an alle anderen Leistungserbringer, welche mit uns zusammen die für eine erfolgreiche Integration absolut notwendige Solidaritätskette spannen.

Kontaktperson: Olivier Grieder, Leiter Integration IV-Stelle Baselland

olivier.grieder@sva-bl.ch